Historie

Die Geschichte des Zieselsmaar

Von feuchten Niederungen und alten Höfen über Braunkohle, Brikettfabriken und Industrialisierung bis zur heutigen rekultivierten Seenlandschaft der Ville.

Zieselsmaar ist ein Ort mit vielschichtiger Geschichte. Der heutige See und die Landschaft sind nicht vulkanischen Ursprungs, sondern eng mit der rheinischen Landschaft, der Ortsgeschichte von Kierdorf und dem Braunkohleabbau verbunden.

1. Ursprung

Name und frühe Geschichte

Zieselsmaar ist kein vulkanisches Maar wie in der Eifel. Im rheinischen Sprachgebrauch bezeichnet „Maar“ hier eher eine feuchte Niederung. Der Ort bestand ursprünglich aus wenigen Höfen beziehungsweise Häusern an der Gegend der heutigen Berrenrather Straße/Friedrich-Ebert-Straße.

Schon im 14. Jahrhundert werden Höfe genannt, die den Ort Zieselsmaar bildeten; ein Fronhof in Kierdorf war 1380 zusammen mit einem Hof in Zieselsmaar verpachtet. Außerdem taucht eine Adelsfamilie „von der Zieselsmaar“ auf; Wilhelm von der Zieselsmaar vererbte 1486 Besitz an die Familie von Zweiffel.

14. Jh.

Höfe in Zieselsmaar

Bereits im 14. Jahrhundert werden Höfe genannt, die den Ort Zieselsmaar bildeten.

1380

Fronhof und Hof in Zieselsmaar

Ein Fronhof in Kierdorf war zusammen mit einem Hof in Zieselsmaar verpachtet.

1486

Adelsfamilie „von der Zieselsmaar“

Wilhelm von der Zieselsmaar vererbte Besitz an die Familie von Zweiffel.

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2. Verwaltung

Verwaltung und Landwirtschaft

In der Neuzeit gehörte Zieselsmaar verwaltungsgeschichtlich zu Kierdorf. Nach der französischen Verwaltungsneuordnung um 1800 bildeten Kierdorf, Roggendorf, Schildgen und Zieselsmaar zusammen die Gemeinde Kierdorf innerhalb der Mairie Liblar.

Die Bevölkerung lebte lange agrarisch; zugleich wurde spätestens seit dem 18. Jahrhundert in den Broichflächen „Turff“ abgebaut und zu Klütten verarbeitet, also zu einfachen Braunkohle-Brennstoffen.

18. Jh.

Turff und Klütten

In den Broichflächen wurde „Turff“ abgebaut und zu einfachen Braunkohle-Brennstoffen verarbeitet.

um 1800

Gemeinde Kierdorf

Kierdorf, Roggendorf, Schildgen und Zieselsmaar bildeten zusammen die Gemeinde Kierdorf innerhalb der Mairie Liblar.

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3. Industrialisierung

Braunkohle und Industrialisierung

Der große Bruch kam mit der Industrialisierung des Braunkohlebergbaus. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann die konzessionierte Ausbeutung der Braunkohle in Zieselsmaar.

1891 eröffnete Carl Brendgen dort die moderne Brikettfabrik „Carl Brendgen, Braunkohlen-, Briket- & Thonwerke in Zieselsmaar“. Anfangs wurden die Briketts noch mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Liblar gebracht; mit der Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn und einem Gleisanschluss in Zieselsmaar verbesserte sich ab 1899/1901 der Transport deutlich.

ab Mitte 19. Jh.

Konzessionierte Braunkohleausbeutung

In Zieselsmaar begann die industrielle Ausbeutung der Braunkohle.

1891

Brikettfabrik Carl Brendgen

Carl Brendgen eröffnete eine moderne Brikettfabrik in Zieselsmaar.

1899/1901

Bahnanschluss

Die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn und der Gleisanschluss verbesserten den Transport deutlich.

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4. Concordia

Concordia und Brendgen-Klinker

Brendgen erwarb 1897 Rechte am Braunkohlefeld Concordia; 1911 entstand in Zieselsmaar ein weiterer Fabrikteil, der als Concordia Nord bezeichnet wurde, im Unterschied zu Concordia Süd in Liblar.

Für Kierdorf war das prägend: Ein großer Teil der Einwohner arbeitete in den Gruben und in der Brikettfabrik. Auch baulich hinterließ die Industrie Spuren, etwa durch den sogenannten Brendgen-Klinker, der an mehreren Gebäuden der Gegend verwendet wurde.

1897

Braunkohlefeld Concordia

Carl Brendgen erwarb Rechte am Braunkohlefeld Concordia.

1911

Concordia Nord

In Zieselsmaar entstand ein weiterer Fabrikteil, der als Concordia Nord bezeichnet wurde.

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5. Wandel

Ende der Fabrik und Neubeginn

Nach dem Tod Brendgens 1916 wurden die Betriebe in wechselnden Zusammenschlüssen weitergeführt. Die lokalen Kohlenfelder in Zieselsmaar waren bereits 1931 erschöpft; später wurde Kohle aus anderen Feldern angeliefert.

1958 schloss die Brikettfabrik Concordia in Zieselsmaar endgültig. Viele frühere Häuser in Zieselsmaar wurden im Zuge des Braunkohletagebaus abgerissen; seit 2003 entstand dort wieder ein Neubaugebiet.

1916

Tod Carl Brendgens

Nach Brendgens Tod wurden die Betriebe in wechselnden Zusammenschlüssen weitergeführt.

1931

Lokale Kohlenfelder erschöpft

Die Kohlenfelder in Zieselsmaar waren erschöpft; später wurde Kohle aus anderen Feldern angeliefert.

1958

Schließung Concordia

Die Brikettfabrik Concordia in Zieselsmaar schloss endgültig.

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6. Heute

Der heutige See und der FSB

Der heutige See ist eine Rekultivierungslandschaft des Braunkohleabbaus. Er gehört zu den Ville-Seen, also Restseen des rheinischen Braunkohlenreviers.

Seine auffällig rotbraune Färbung hängt mit der Bergbaugeologie zusammen: In solchen Restseen können aus umgelagerten Eisensulfiden Salze und Säuren entstehen; für das Rheinland wird Versauerung ausdrücklich unter anderem beim Zieselsmaar genannt.

Warum ist das Wasser rotbraun?

Die rotbraune Farbe ist Teil der bergbaulichen Nachgeschichte. Sie verweist auf die geologischen Folgen des Braunkohleabbaus und auf Prozesse, die in rekultivierten Restseen auftreten können.

Anfang 1970er

Wunsch nach einem offiziellen FKK-Gelände

Der FSB entstand Anfang der 1970er-Jahre aus dem Wunsch nach einem offiziellen, ungestörten und familienfreundlichen Naturisten-/FKK-Gelände in der Region. Der Ursprung dieser Idee lag am Bleibtreusee in Brühl, wo FKK damals eher „wild“ praktiziert wurde.

1973

Gründung des Vereins

1973 entschloss sich eine kleine Gruppe, einen offiziellen FKK-Verein zu gründen. Dem jungen Verein wurde anschließend das Gelände am Zieselsmaar unterhalb der Autobahn 1 angeboten.

Aufbauphase

Vom Naturgelände zum Vereinsgelände

Anfangs war am Zieselsmaars kaum Infrastruktur vorhanden: im Kern nur Natur und See. Durch viel ehrenamtliche Arbeit entwickelte sich daraus nach und nach ein Gelände mit Liegewiesen, Sportstätten, Kinderspielplatz, Vereinsheim, Imbiss und Sonnenterrasse.

seit 1976

Pacht des Geländes

Seit 1976 hat der FSB den See beziehungsweise das Gelände gepachtet. Damit wurde der Verein nicht nur Nutzer, sondern faktisch auch Gestalter und Pfleger dieser rekultivierten Braunkohlelandschaft.

1991

Überregionale Wahrnehmung

Ein markanter Punkt in der Außendarstellung: Im Juni 1991 bezeichnete die Zeitschrift BUNTE das Gelände als eines der zehn schönsten FKK-Gelände in Deutschland. Das zeigt, dass das Zieselsmaar schon früh überregional wahrgenommen wurde.

1998

25 Jahre FSB

Zum 25-jährigen Jubiläum erschien ein 64-seitiges Heft über den Verein, seine Geschichte, Anekdoten, Sportaktivitäten, Kinder- und Jugendarbeit sowie Veranstaltungen wie Karneval.

2023

Ein halbes Jahrhundert FSB

Das Jubiläum war kein einzelner isolierter Festakt, sondern wurde als Jubiläumsjahr mit einer großen Jubiläumgsfeier und diversen Festivitäten begangen. Historisch ist dieses 50-jährige Bestehen deshalb bemerkenswert, weil der Verein in diesen fünf Jahrzehnten aus einer FKK-/Naturisteninitiative zu einem festen regionalen Familien-, Sport- und Freizeitverein geworden ist. Die FSG-NW beschreibt das Gelände am Zieselsmaar als eine durch ehrenamtliches Engagement entstandene „Oase zur Erholung“.

Der Verein verstand sich von Anfang an nicht nur als Bade- oder FKK-Verein, sondern als Familien- und Breitensportverein. Heute gehören unter anderem Volleyball, Beachvolleyball, Basketball, Tischtennis, Laufsport/Triathlon, Schwimmen und ein Rundweg um den etwa fünf Hektar großen See zum sportlichen Profil.

Die Familienausrichtung zeigt sich auch an der speziellen Badebucht für Kinder und dem Kinderspielplatz. Damit verbindet der FSB Naturismus, Erholung, Sport und generationenübergreifendes Vereinsleben.

Historisch ist der FSB auch deshalb interessant, weil er eine ehemalige Industrielandschaft in eine Freizeit- und Vereinslandschaft überführt hat. Das Zieselsmaar selbst ist ein rekultivierter Restsee des Braunkohleabbaus; die ältere Geschichte reicht von feuchten Niederungen und Höfen über Braunkohle und Brikettfabriken bis zur heutigen Seenlandschaft.

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Hinweis

Historischer Kontext des Vereinsgeländes

Die heutige Nutzung des Zieselsmaar als Ort für Natur, Sport und Gemeinschaft steht in einer langen Landschaftsgeschichte: aus alten Niederungen, Höfen, Bergbauflächen und Rekultivierung entstand eine Seenlandschaft, die heute für Erholung und Vereinsleben genutzt wird.